Fachtagung: „In anderen Umständen“

Im März veranstaltete das Aktionskomitee Schwangerschaftsabbruch eine Fachtagung mit dem Titel: „In anderen Umständen. Die Tabuisierung des Schwangerschaftsabbruchs als Instrument heteronormativer Disziplinierung von Frauen.“

Zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die ohnehin schon schlechte Versorgungslage in Tirol nochmals zuspitzte. War Tirol mit drei Privatpraxen, in denen – im Vergleich etwa zum Gynmed-Ambulatorium in Salzburg – hochpreisige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt wurden, bereits unterversorgt, so ist die Situation mit Jahresbeginn 2014 eine äußerst prekäre geworden. Für das gesamte Bundesland gibt es nunmehr lediglich einen niedergelassenen Facharzt für Gynäkologie, der die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen anbietet.

Hält man sich vor Augen, dass in Österreich jährlich 30.000 bis 40.000 Abbrüche vorgenommen werden, so ist die Versorgungslage für Tiroler Frauen nicht nur eine unbefriedigende, sondern eine prekäre. Zur weiteren Zuspitzung dieser Situation tragen die hohen Kosten bei, die die betroffenen Frauen selbst zu tragen haben.

Dass es auch anders geht, beweist das Salzburger Beispiel des Gynmed Ambulatoriums, in der Frauen und Mädchen mit ungewollter Schwangerschaft Beratung und Behandlung als Dienstleistung an einem öffentlichen Spital angeboten wird.

Das Salzburger Modell ist Thema eines Vortrags wie auch eines Workshops unserer Tagung und wird vom Leiter des Gynmed Ambulatoriums, dem Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Christian Fiala und einer der Mitarbeiterinnen des Ambulatoriums, der Gesundheitspsychologin und Sexualpädagogin Petra Schweiger, vorgestellt.

Der Vormittag bot einen Einstieg in das Thema durch diverse Vorträge, am Nachmittag konnte das Wissen in 3 Workshops vertieft werden.

Es konnten namhafte ExpertInnen zu diesem Thema gefunden werden.

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Die renommierte Forscherin Barbara Duden beleuchtete die Problematik des Schwangerschaftsabbruchs aus historischer Sicht und ging dabei dem Kontrast zwischen medizinischer Dogmatik und der leibhaftigen Erfahrung von Frauen nach.

Petra Schweiger und Christian Fiala gaben vertiefende Einblicke in Beratung und Behandlung von Frauen und Mädchen mit ungewollter Schwangerschaft an dem Gynmed Ambulatorium in Salzburg.

Iris Trawöger und Silvia Exenberger zeigten in ihrem Vortrag Konfliktlagen von Frauen in Zusammenhang mit der Entscheidungsfindung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch aus psychotherapeutischer Sicht auf.

Einer Forderung des Aktionskomitees – nach fundierter Aufklärung zu den Themen Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft an Schulen – wurde mit einem Workshop Folge geleistet, in dem die Psychotherapeutin Ulrike Paul Methoden aufzeigt, Jugendliche zu einem selbstbewussten und selbstverantwortlichen Umgang mit ihrer Sexualität zu befähigen.

Kathleen Löschke-Yaldiz vom FEM Süd gab in ihrem Workshop zum Thema Schwangerschaftskonfliktberatung auch einen Einblick in die Arbeit des Gesundheitszentrums in Wien.

Wir fordern:

  1. Fundierte Aufklärung zu den Themen Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft an Schulen und Erwachsenen­bildungs­einrichtungen.
  2. Verhütungsmittel auf Krankenschein.
  3. Kostenlose bzw. leistbare und leicht zugängliche Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch für alle Frauen, die sich dafür entschieden haben (beispielsweise an öffentlichen Krankenhäusern, Ambulatorien oder bei niedergelassenen ÄrztInnen).
  4. Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafgesetzbuch.